HyperX QuadCast S Review: Streaming-Klassiker mit RGB-Tap-to-Mute
Das HyperX QuadCast S ist das Mikrofon, das auf gefühlt jedem dritten Streamer-Setup-Bild auftaucht. Schwarzer Korpus, RGB-Beleuchtung, eingebauter Pop-Filter — auf den ersten Blick wirkt es wie ein Marketing-Produkt, das mehr durch Optik als durch Klang punktet. Wir haben es seit gut acht Wochen im Einsatz, sowohl für Live-Streams als auch für reine Sprachaufnahmen, und können nach dieser Zeit ein deutlich differenzierteres Urteil abgeben als die meisten „Top 10“-Artikel.
Im Karton
Das QuadCast S kommt mit dem mitgelieferten Tischständer, einem Spinnenmount-Adapter und einem etwa drei Meter langen USB-C-Kabel. Auffällig: Der Stoff am Ständer ist aus elastischem Material gewebt, das Vibrationen vom Schreibtisch entkoppelt. In der Praxis bedeutet das, dass selbst bei kräftigerem Tippen oder versehentlichem Anstoßen kaum Geräusche ins Signal wandern. Das ist tatsächlich besser umgesetzt, als wir es bei einem Mikro in dieser Preisklasse erwartet hätten.
Klang im Alltag
Der Klang ist warm, mit einer leicht angehobenen Mitte, die für Sprache angenehm präsent klingt. Im Vergleich zum klassischen Blue Yeti wirkt das QuadCast S etwas weniger nasal und weniger anfällig für Plosive — wahrscheinlich liegt das am eingebauten Pop-Filter, der bei den meisten Anwendungen wirklich ausreicht. Man merkt aber: Die Membran ist nicht so unterscheidungsstark wie bei einem semi-professionellen Großmembraner, etwa einem Rode NT1. Wer Podcasts mit Studio-Anspruch produzieren möchte, wird das hören.
Für den Streaming-Einsatz ist es trotzdem mehr als ausreichend. In Twitch-Streams haben wir nie Beschwerden zur Audio-Qualität bekommen, und auch in Discord-Calls war die Stimme klar und ohne Hintergrundrauschen. Hinter dem Mikro steht ein leises Lüftergeräusch unseres PCs, und in der Niere-Richtcharakteristik (was die Standardeinstellung ist) wird dieses fast vollständig ausgeblendet — was bei einem Blue Yeti deutlich auffälliger im Stream gewesen wäre.
Vier Richtcharakteristiken — eine die man nutzt
Auf der Rückseite gibt es einen Drehregler für vier Modi: Niere, Acht, Stereo, Kugel. In der Realität nutzen wir wie wahrscheinlich 95% aller Käufer ausschließlich die Niere-Charakteristik. Sie ist für Solo-Sprecher die richtige Wahl. Die Stereo-Funktion war einmal interessant, als wir eine akustische Gitarre aufgenommen haben — das Ergebnis war aber kein Vergleich zu einem ordentlichen Stereo-Paar Kondensator-Mikrofone. Die Acht-Charakteristik ist nice für ein Zwei-Personen-Interview, wenn beide am gleichen Tisch sitzen, aber wir haben das in acht Wochen genau einmal genutzt.
RGB und Tap-to-Mute
Das gesamte Mikrofon leuchtet von innen — und tatsächlich kann man die RGB-Farbe konfigurieren oder ganz abschalten. Die mitgelieferte HyperX NGENUITY-Software erlaubt einfache Anpassungen, aber das Programm ist nicht das aufgeräumteste. Wer keine Lust auf zusätzliche Software hat, kann das Mikro auch einfach plug-and-play nutzen.
Das eigentliche Highlight im Alltag ist die Tap-to-Mute-Funktion: Einmal oben drauf tippen, das Licht wechselt von leuchtend zu dunkel — Mikro ist stumm. Diese Geste wird man nach drei Tagen automatisch ausführen, und ehrlich: Es ist die unterschätzteste Funktion am Mikro. In Discord-Calls, wenn die Türklingel geht oder jemand niest, ist das einfach das schnellste Stummschalt-System, das man haben kann.
Was uns gestört hat
Der Kopfhörer-Anschluss am Mikro selbst ist da, funktioniert auch — aber die Latenz beim Monitoring ist nicht null, und die maximale Lautstärke ist begrenzt. Wer Studio-Kopfhörer mit hoher Impedanz benutzt, wird das Mikro-Monitoring lieber abschalten und stattdessen das System-Audio über die Soundkarte abnehmen.
Außerdem: Der Gain-Regler unten am Mikro ist stufenlos, hat aber keine Markierungen. Man stellt ihn einmal ein und kann sich später nicht mehr darauf beziehen „ich hatte den auf Position 5“. Kleine Sache, aber bei einem 150€-Produkt erwartet man irgendeine Form von Skala.
Für wen ist es das richtige Mikrofon
Das QuadCast S ist ein gutes Allround-Mikro für Streaming, Discord und gelegentliche Voice-Over-Aufnahmen. Es bietet einen sauberen Klang ohne große Anpassungen, ist robust gebaut und sieht im Frame gut aus. Wer 50€ weniger ausgeben will und bei Tap-to-Mute und RGB nicht hängen bleibt, kommt mit dem regulären HyperX QuadCast (ohne S) oder einem Fifine K688 für deutlich weniger Geld auch ans Ziel. Wer professionellere Aufnahmen plant — Podcast, Voice-Over für Werbung, Audiobook — wird mit einem Rode NT1 oder Audio-Technica AT2020 plus separatem Audio-Interface mehr Spielraum haben.
Für den Einstieg ins Streaming und für solide Discord-Quality im Home-Office ist das QuadCast S aber eine empfehlenswerte und ehrliche Wahl, die nach acht Wochen täglicher Nutzung keine Schwächen offenbart hat, mit denen wir nicht leben können.