Keychron K8 Pro im Test: Mech-Tastatur mit QMK und Hot-Swap

Mechanische Tastaturen sind ein eigenes Universum, und Keychron hat sich in den letzten Jahren als Marke etabliert, die zwischen „billiger China-Klon“ und „Premium-Custom“ einen vernünftigen Mittelweg trifft. Die K8 Pro ist eine 75%-Tastatur (87 Tasten ohne Nummernblock, aber mit Funktionsreihe), die sowohl unter Windows als auch macOS gut funktioniert. Wir nutzen sie seit etwa zwei Monaten parallel zu einer Cherry MX Board 3.0, und der Vergleich liefert Erkenntnisse, die nicht in jedem Marketing-Text stehen.

QMK/VIA — der eigentliche Grund zum Kauf

Der größte Unterschied zur normalen Keychron K8 (ohne Pro): Die Pro-Variante unterstützt QMK und VIA. Das sind Open-Source-Firmware und Konfigurations-Software, mit denen man jede einzelne Taste neu belegen kann. Auf Layer 1 ist Caps-Lock vielleicht weiterhin Caps-Lock, auf Layer 2 wird daraus Strg+Shift+Esc (Task-Manager), auf Layer 3 ein Makro für eine Markdown-Code-Block-Vorlage.

Für Programmierer ist das ein Game-Changer. Wer einmal Caps-Lock zu Escape gemappt hat (ein Klassiker für Vim-Nutzer), möchte nie wieder eine Tastatur ohne diese Möglichkeit. Auf normalen Tastaturen muss man dafür Software wie AutoHotkey oder PowerToys installieren — was funktioniert, aber im Boot-Vorgang nicht aktiv ist und bei Spielen mit Anti-Cheat manchmal Probleme macht. Auf der K8 Pro liegt die Belegung in der Tastatur-Firmware selbst, also vor jeder Software.

Hot-Swappable Switches

Die Pro-Variante hat austauschbare Switches. Das heißt: Man kauft einmal die Tastatur, kann aber später jeden Switch einzeln tauschen, ohne löten zu müssen. Wer mit roten Switches angefangen hat und merkt, dass er taktiles Feedback braucht, kann nur die wichtigen Tasten (WASD, Buchstabentasten) auf braune Switches umrüsten. Wir haben das nach drei Wochen für genau zwei Tasten gemacht (Esc und Tab) und sind seitdem zufriedener.

Standardmäßig kommt die K8 Pro mit Gateron-G-Pro-Switches in drei Optionen: Red (linear, kein Klick), Brown (taktil, leiser Klick) oder Blue (taktil, lauter Klick). Für Office-Umgebungen empfehlen wir Brown — das Tipp-Gefühl ist deutlich besser als bei Red, ohne dass die Kollegen einen umbringen wollen.

Tipperlebnis im Alltag

Die K8 Pro hat einen „fluffy“ Anschlag — gemeint ist: weicher, gedämpfter als typische Cherry-MX-Tastaturen. Das liegt an Schaumstoff-Layern im Inneren des Gehäuses, die Hohlraum-Geräusche absorbieren. In der Praxis: Tippen klingt eher nach „schmatz-klack“ als nach „klack-pling“, was die meisten Leute angenehmer finden.

Das Tippgefühl ist nach zwei Monaten täglichem Coding-Einsatz sehr angenehm. Lange Sessions ermüden die Finger weniger als auf einer typischen Office-Tastatur. Wer lange Texte schreibt — Coder, Texter, Studenten — wird einen merklichen Unterschied bemerken.

Bluetooth-Funktionalität

Die K8 Pro kann sich mit drei Geräten gleichzeitig pairen und über Tastenkombination dazwischen wechseln. In der Praxis: Mac links, PC rechts, iPad nebenbei. Funktioniert tadellos. Die Verbindung ist stabil, kein Stottern beim Tippen.

Akku-Laufzeit: Bei aktiviertem RGB liefert sie etwa eine Woche im Bluetooth-Modus. Mit ausgeschaltetem RGB sind es 3-4 Wochen. Geladen wird per USB-C (gerne genommen). Im Kabel-Modus ist sie immer verfügbar.

RGB-Beleuchtung

Die Pro-Variante hat RGB unter jedem Switch. Das sieht im dunklen Raum gut aus, im hellen Raum sieht man es nicht mehr — wie bei den meisten Tastaturen mit beleuchteten Tastenkappen. Die Effekte (Wave, Reactive, etc.) sind via QMK voll konfigurierbar.

Realistisch nutzen wir die statische „Caps Lock leuchtet wenn aktiv“-Funktion und einen einzelnen Layer-Indikator. Mehr braucht es im Berufsalltag nicht.

Was uns gestört hat

Drei Punkte:

Gewicht. Mit 962 Gramm ist die K8 Pro schwer. Mobile Nutzung — also wirklich täglich mitnehmen — wird zur Übung. Im Rucksack ist sie deutlich spürbar. Wer eine portable Mech-Tastatur sucht, sollte zur K3 (60%-Layout) greifen.

Stabilizers. Die mitgelieferten Stabilizers für die langen Tasten (Leertaste, Shift, Backspace, Enter) sind okay, aber nicht großartig. Bei der Leertaste merkt man ein leichtes „wackeln“ am Anschlag, das dem Tipp-Gefühl etwas die Präzision nimmt. Wer das wirklich stört, kann mit Lubrication selbst nachhelfen — eine 30-Minuten-Aktion, die das Schreibgefühl deutlich verbessert. Aber out-of-the-box ist es nicht perfekt.

Mac-Layout. Die Tastatur kann auf Windows- oder Mac-Layout umgeschaltet werden, kommt mit beiden Tastenkappen-Sets. Aber: Die Caps-Lock-Position fühlt sich unter Windows komisch an, wenn man das Layout via Schalter geändert hat. Manche User finden das verwirrend. Aufmerksam sein, wenn man primär Windows nutzt.

Fazit

Die Keychron K8 Pro ist die beste mechanische 75%-Tastatur unter 150€, die wir in den letzten zwei Jahren in der Hand hatten. QMK-Support, Hot-Swap-Switches und Bluetooth machen sie zum Schweizer Taschenmesser unter den Tastaturen. Wer Custom-Tastatur-Welten erkunden möchte, ohne 400€+ zu investieren, sollte hier einsteigen.

Wer einfach nur eine „gute Tastatur zum Tippen“ sucht und keinen Wert auf Programmierbarkeit legt, ist mit einer Keychron K2 oder K6 (ohne Pro) für 30€ weniger genauso gut bedient.

Ähnliche Beiträge